Die verkannte Gefahr von Schluckstörungen 
bei Morbus Huntington 

Der Teufel steckt ja bekanntermaßen im Detail, so verhält es sich auch mit dem klinischen Erscheinungsbild von Schluckstörungen (Dysphagie) bei der Chorea Huntington Krankheit. Durch die multiplen Erkrankungsherde im Gehirn, repräsentiert sich damit auch einhergehend, ein ganzheitliches und ganzkörperliches Störungsmuster. Besonders hervorstechend im Krankheitsverlauf ist die dominierende Auftretenshäufigkeit einer Dysphagie.

In einer deskriptiven Studie zur Evaluation vom Zusammenhang zwischen ganzkörperlicher Funktionsfähigkeit und Schluckfähigkeit bei der Huntington Krankheit, kam zum tragen, dass auch schon bereits zu einem frühen Stadium der Erkrankung es zu schwerwiegenden Dysphagien mit hoher Aspirationsgefährdung kommen kann.

In der klinischen Relevanz bedeutet dies, dass viele Patienten hinsichtlich ihrer noch gut erhaltenden ganzkörperlichen Funktionsfähigkeit über den tatsächlichen Schweregrad einer Dysphagie als trügerisch falsch in der oralen Nahrungsaufnahme hin eingeschätzt werden (Kern et al. 2018), mit der Konsequenz einer akuten und/oder chronische Gesundheitsgefährdung für den Patienten selbst.

Die Chorea Huntington Krankheit wird oftmals in der Literatur mit einer Orchidee verglichen, durch ihren Seltenheitswert. Dem geschuldet, lässt sich dadurch auch nur eine bedingt tiefe Forschungsbandbreite wiederfinden. Bei der Beschreibung der Dysphagie hierzu, weist das allgemeine Therapieverständnis  eine Parallelität auf. Eine typische Charakteristik dieser Dysphagie ist nur schwer kenntlich zu machen, dafür ist die Streubreite an Symptomkonstellationen zu mannigfaltig.

Das Syndrom Dysphagie zeigt sich hier multidimensional und kann mitunter einzelne und/oder mehrere am Schluckakt beteiligte Schluckphasen betreffen. Die Hauptsymptome weisen auf eine Dysfunktion in der sicheren oralen Nahrungsaufnahme, der erfolgreichen Schluckfähigkeit, dem Nahrungsweitertransport durch die Speiseröhre in den Magen hin - mit einer vielschichtigen Gewichtung des Schweregrades. 

Durch das individuelle Fortschreiten dieser neurodegenerativen Erkrankung, unterliegt die Dysphagie einem ständigen Wandel und fordert dem interdisziplinären Behandlungsfeld viel Know-how ab, um eine sichere orale Ernährungsaufnahme bestmöglich aufrechterhalten zu können. 


Die Statuten eines interdisziplinärem Dysphagie Care Management sollte immer auf einem klinisch - schlucktherapeutischen Leitfaden beruhen, statt auf einer waghalsigen Abenteuerlust mit einem erheblichen Risikomaß. So sollte eine adäquate Schlucktherapie zur Prävention hin schon frühzeitig begonnen werden. 
Ein weiterer Aspekt betrifft auch die adäquate Anpassung der Nahrung als ein wesentlicher Garant für ein gutes Gesundheitserlebnis von Schluckpatienten, zu diesem Konsens kommt auch die Europäische Gesellschaft für Schluckstörungen (ESSD - Newman, R., et al. Dysphagia, 2016).

Gleichermaßen empfiehlt sich ein geeignetes Assessment zu wählen, dass die oralen Koststufen nachhaltig auf den bestehenden Schweregrad der Dysphagie hin abgestimmt werden. So können mitunter die bestehenden Funktionen, Fähigkeiten und Ressourcen längerfristig aufrechterhalten werden, umso dem Patienten eine bessere Lebensqualität durch eine Form von Essen und Trinken ermöglichen zu können. 
Für diesen Rehabilitationsansatz in der Schlucktherapie eignet sich für Befund und Verlauf die Dysphagia - Nutrition - Scale (DNS) nach Kern. 


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