Wacklige Evidenz 

Der Wackelpudding lässt die Evidenz in einer Dysphagie Diagnostik ganz schön wackeln. 

dysphagie


Ein kleiner grüner Held, der leider in puncto Diagnostik nicht das hält, was man von ihm erwartet - nämlich eine konkrete sensitive und spezifische Aussage zum funktionellen Schweregrad einer Dysphagie. 

Nichts desto trotz, erfreut sich der Wackelpudding weiterhin im klinischen und ambulanten Procedere großer Beliebtheit. 
Das laienhafte Verständnis attestiert in diesem Vorgehen, eine positive Schluckeigenschaft für den Patienten schaffen zu wollen. Also ein bewusst ausgewähltes orales Kostmedium auf der intuitiven (unbewussten) Entscheidungsgrundlage. 
Fachkundig betrachtet macht das nur wenig Sinn, denn wir verschaffen dem Patienten und uns damit kein Wohlergehen, sondern vielmehr eine erschwerte Bedingung für den Prozess oraler Nahrungsaufnahme und Schluckfähigkeit. 
Die Aussagekraft der Diagnostik schwindet und die Schlussfolgerungen für eine womöglich anstehende Oralisierung sind falsch. 

Die Risikoverteilung geht voll zu Lasten des Patienten. Gewissermaßen könnte man formulieren, dass der kleine grüne Wackelpudding auf Patienten mit Schluckstörungen einen ähnlichen Effekt einnimmt wie das grüne Kryptonite auf Superman ausstrahlt. 
Und das alles hier ist keine Fantasterei, sondern pure Neurophysiologie und Dysphagiologie. 


Der Grund hierfür ist schlichtweg in der Rezeptur wiederzufinden, es handelt sich hierbei um gesüßtes Wasser, mit Geliermittel Carageen und Farbstoff, schön gekühlt aus dem Kühlschrank. Der physikalische Aggregatzustand der Viskosität ist fest, jedoch wandelt dieser bei Wärmezufuhr schnell in flüssig über. Quasi, entspricht der Wackelpudding vom Verständnis einer KoViKo (Konsistenz-Viskositäts-Kost). Diese bergen für Patienten mit Schluckstörungen ein zunehmendes Maß an Anforderungen. 


Somit wird der Schlucktest mit löffelangedickt initiiert, aber der Patient schluckt in der Konsequenz mittel bis leicht angedickte Flüssigkeiten (je nach oraler Verweildauer). Und genau hier liegt der Hase im Pfeffer, eine ungenaue Dysphagie Diagnostik kann auch nur ungenaue Befunde liefern und der gesamte Prozess der angestrebten Rehabilitation kommt ins stocken. 


Dir hat dieser Artikel gefallen? Das Team von DysphagiaReha freut sich auf deine Bewertung.