Hohe Künste 

von Mathematik und Dysphagie 

Nach Adam Riese sind zwei plus zwei gleich vier, doch repräsentieren 20 Löffel im Anreichen bei Dysphagie Patienten auch wirklich 20 Bolusschlucke???

____________________________

Artikel vom 26. Mai 2020 

© Christoffer Kern 

Wie pflegte damals unser Mathematiklehrer im Leistungskurs immer zu sagen - „die Mathematik wird euch ein Leben lang verfolgen, also nutzt Sie lieber, anstatt vor ihr zu flüchten.“


Widmen wir uns einmal einem alltagstauglichen Problem - der Frequenz beim Anreichen oraler Nahrungsaufnahme von Patienten mit Schluckstörungen.


Betrachtet man neurophysiologisch die sogenannte Bolustransittime (BTT), speziell auf die orale und pharyngeale Phase hinangewendet, dann wird deutlich, da passt was nicht!


Wenn man nun unter Berücksichtigung einer einflussnehmenden Dysfunktion auf diesen Bereich hin, z.Bsp. eine zeitlich verlängerte orale Phase und eine reduziert verspätete Schluckreflextriggerung ansetzt, dann passt das sowas von überhaupt nicht oder, um es mit den gehaltvollen Worten von Shakespeare auszudrücken - „etwas ist faul im Staate Dänemarks“.


An dieser Stelle im Prozess wäre jetzt ein präventives Denken wünschenswert, jedoch sucht man diese Tugenden oftmals vergebens. 


Und so offenbart sich die Erkenntnis gepaart aus Unwissenheit, Desinteresse und mangelndem medizinisch - therapeutischen Konsequenzdenken, dass auch eine falsche Gleichung mit falschem Ergebnis, noch immer eine „richtige“ Schlussfolgerung für rehabilitative Planprozesse bedingt. 
Eine normale Mittagsportion in Form von Essen und Trinken kann nicht innerhalb von 5 - 10 Minuten per Anreichen abgefertigt sein!


Umsorgend für unsere Patienten empfehlen wir mehr Zeit und Wissen einzuräumen, denn mit Hast während der oralen Nahrungsaufnahme verschaffen wir unseren Patienten doch nur eine Last.

Dir hat dieser Artikel gefallen? Das Team von DysphagiaReha freut sich auf deine Bewertung.